Was ist der Autarkiegrad?
Der Autarkiegrad beschreibt, wie viel Prozent Ihres Strombedarfs Sie selbst mit der eigenen Photovoltaikanlage decken – ohne Strom aus dem öffentlichen Netz beziehen zu müssen. Je höher der Autarkiegrad, desto unabhängiger sind Sie von Energieversorgern und steigenden Strompreisen.
Ein häufiges Missverständnis: Autarkiegrad und Eigenverbrauchsanteil sind nicht dasselbe. Der Eigenverbrauchsanteil sagt, wie viel des produzierten Stroms Sie selbst nutzen (statt einzuspeisen). Der Autarkiegrad sagt, wie viel Ihres Bedarfs selbst gedeckt wird.
Typische Autarkiegrade ohne Speicher
Eine PV-Anlage ohne Batteriespeicher produziert tagsüber Strom, wenn die Sonne scheint – aber nicht unbedingt dann, wenn Sie ihn brauchen. Abends und nachts greifen Sie auf Netzstrom zurück. In der Praxis erreichen Anlagen ohne Speicher einen Autarkiegrad von etwa 30–40 %.
Mit Speicher: 60–75 % sind realistisch
Ein Batteriespeicher speichert den überschüssigen Solarstrom aus dem Tag und macht ihn abends und nachts verfügbar. Mit einem richtig dimensionierten Speicher erreichen Sie einen Autarkiegrad von 60–75 %. Die restlichen 25–40 % sind Strom, den Sie im Winter oder bei langanhaltender Bewölkung aus dem Netz beziehen müssen.
Was beeinflusst den Autarkiegrad?
- Anlagengröße: Eine größere Anlage produziert mehr Strom – aber ohne Speicher landet der Überschuss im Netz.
- Speichergröße: Der Speicher sollte auf Ihren täglichen Strombedarf abgestimmt sein. Faustregel: 1 kWh Speicherkapazität pro 1.000 kWh Jahresverbrauch.
- Verbrauchsverhalten: Wer waschintensive Tätigkeiten (Waschmaschine, Spülmaschine, E-Auto laden) tagsüber erledigt, erhöht den Eigenverbrauch.
- Intelligentes Energiemanagement: Eine Steuerung, die Geräte dann einschaltet, wenn die Sonne scheint, maximiert den Eigenverbrauch automatisch.
Rechenbeispiel
Ein vierköpfiger Haushalt mit 4.500 kWh Jahresverbrauch und einer 10 kWp Anlage:
- Ohne Speicher: ~35 % Autarkie – Sie beziehen 65 % aus dem Netz
- Mit 8 kWh Speicher: ~65 % Autarkie – Sie beziehen 35 % aus dem Netz
- Mit 10 kWh Speicher + Energiemanager: ~75 % Autarkie – Sie beziehen 25 % aus dem Netz
Lohnt sich 100 % Autarkie?
Eine 100-prozentige Autarkie ist in Deutschland technisch möglich, aber wirtschaftlich meist nicht sinnvoll. Um auch die winterlichen Monate abzudecken, bräuchten Sie einen extrem großen Speicher und eine deutlich überdimensionierte Anlage. Die Kosten dafür übersteigen die Ersparnisse bei den Stromkosten. Sinnvoll ist eine optimale Balance zwischen Eigenverbrauch und Netzbezug.
Wir beraten Sie individuell, welche Kombination aus Anlagengröße und Speicher für Ihren Haushalt am wirtschaftlichsten ist.
Quellen
- BSW-Solar (Bundesverband Solarwirtschaft) – Marktdaten und Statistiken zum Eigenverbrauch: solarwirtschaft.de
- Fraunhofer ISE – Studien zum Autarkiegrad und Eigenverbrauch: ise.fraunhofer.de
- Bundesnetzagentur – Daten zur Stromversorgung: bundesnetzagentur.de
